Tour de Culinaire

Die Schweiz ist ein vielseitiges Land - und schmeckt auch so. Deutsch, französisch, italienisch - je nachdem in welchem der 26 Kantone man sich gerade befindet. Grenzübergreifenden (Innen wie Außen) herrscht reger Kulturaustausch, vor allem kulinarisch. Verständlich, dem Genuss setzt man ja bestenfalls nur ungern Grenzen.

Die Welt zu Gast bei Freunden: Was schmeckt wird gern übernommen, regional verfeinert und so zur Schweizer Spezialität. Wer sich bei einer Tour de Culinaire durch die Alpenwelt probieren möchte, begibt sich darum am besten dorthin, wo sich die regionalen Einflüsse treffen: Zum kulinarischen „Nadelöhr“ zwischen den Kantonen Uri und Graubünden. Konkret ins Skigebiet Andermatt+Sedrun+Disentis. Die typische Küche vollführt einen besonders geschmackvollen Brückenschlag zwischen bodenständig und weltoffen, auf den Tisch kommt was hier oben wächst oder auf vier Beinen herumläuft.

Auf uralten Wegen.

Wo man in der Schweiz von A nach B möchte, muss man eigentlich immer irgendwie über die Alpen. Eine kulinarische Rundreise bewältigt man darum am besten auf Ski. So kann man die typischen Schweizer Berge und die kulinarische Vielfalt quasi Hand in Hand erleben. Ausgesprochen praktisch darum, dass die Gaumenfreuden im Skigebiet Andermatt+Disentis+Sedrun jeweils nur einen eleganten Einkehrschwung voneinander entfernt liegen. Das Angebot ist so vielfältig wie die Schweizer Küche selbst, die facettenreiche Geschmackswelt kann man sich ganz problemlos von morgens bis abends schmecken lassen. So startet man den Tag zum Beispiel im Bergrestaurant Caischavedra (familienfreundlich, mit atemberaubendem Alpenpanorama) bei mit einem typischen Birchermuesli - um 1900 vom Schweizer Arzt Maximilian Oskar Bircher-Brenner in Zürich entwickelt. Original und gesund, mit kernigen Haferflocken, Zitronensaft, Kondensmilch, geriebenen Äpfeln, Haselnuss oder Mandeln. Dazu natürlich ein typischer Schweizer Milchkaffee mit extra viel Milch, oder eine kräftige Ovomaltine (typisches Schweizer Malzgetränk, besonders beliebt bei Kindern). 

Genussreise.

Gestärkt schwingt man sich auf die Pisten bis sich mittags dann wieder der Hunger meldet. Hier wäre nun ein typisches Schweizer Rösti zu empfehlen. Zum Beispiel im Restaurant Gummel (an der Mittelstation der Gurschen-Gemsstock Bahn). Hier verspricht schon der Name bodenständige Hausmannskost nach uralten Rezepten - Gummel bedeutet in der Schweizer Mundart nämlich Kartoffel. Serviert wird entsprechend vielseitiges Kartoffel-Allerlei: Älplermagronen (Gratin mit Magronen, Käse, Rahm und Zwiebeln), Maluns (Bratkartoffelgericht mit Apfelmus), Gschwellti aka Pellkartoffeln - und natürlich die berühmten Rösti. Das moderne, lichtdurchflutete Ambiente stellt dem urigen Flair der typischen Berghütten dabei sogar etwas erfrischend mondäne Extravaganz entgegen.Als krönender Abschluss passt immer noch ein kleines Dessert auf der Sonnenterrasse: Zum Beispiel die wohl kleinste Nusstorte der Welt - vom preisgekrönten Schweizer Konditormeister Reto Schmid. Feiner Mürbeteig mit Nuss-Karamell-Honig-Füllung. So klein und wow, dass man beim Naschen nicht mal ein schlechtes Gewissen haben muss. Wer doch lieber einem Berggipfel die Spitze abbeißt, bekommt überall die berühmte Schweizer Toblerone. Köstliche Mandel-Karamell Schokolade in typischer Bergform.

Kafi Chrüter.

Ein paar Abfahrten später könnte man dann einen Kaffee vertragen, in der Schweiz nicht ungern als „Kafi Chrüter“ mit einem Schuss Kräuterschnaps serviert. Interessant: In der Höhe entfaltet sich das Arabica-Röstaroma der Kaffeebohnen (auch ohne Chrüter) etwas anders als im Tal - dem minimalen Druckunterschied sei Dank. Davon überzeugt man sich zum Beispiel in der urigen Tegia dil Nurser am ACE-Snowpark, direkt an der Piste. Bei geselliger Gemütlichkeit kann der spontane Nachmittagskaffee samt Rüeblitorte (Karottenkuchen) da auch mal nahtlos in die Aprés Ski Hüttenparty übergehen. Alternativ kehrt man im atmosphärischen Bergrestaurant Milez (auf 1890m)ein, und genießt nach der Stärkung einen ausgedehnten Verdauungsspaziergang am angrenzenden Winterwanderweg.

Immer der Nase nach.

Je genauer man hinsieht, desto mehr gibt es kulinarisch zu entdecken. Am wohl wunderbarsten schmeckt die Schweizer Gastlichkeit natürlich in Form von Käse. Weit über die Schweizer Grenzen berühmt und berüch(t)igt: Raclette und Fondue. Bei geselliger Atmosphäre versammelt man sich dann zum Beispiel im Fonduestübli (direkt in der Mittelstation der Gemsstockbahn) um den Caquelon (typischer Käsefondue-Keramiktopf). Alternativ überbäckt man sich beim Raclette kleine Arrangements saisonaler Zutaten am Tischgrill selbst mit deftigem Käse. Slow-Food auf Schweizerisch - ein echtes Schweizer Käsespektakel kann sich auch gern mal über einige Stunden ziehen. Die herzhafte Geselligkeit verlässt man dann selten nur mit vollem Bauch, sondern auch mit einem echten Schweizer Lächeln. Bei so viel Lebensfreude stellt man sich zur letzten Abfahrt Richtung Sonnenuntergang dann mitunter die berechtigte Frage: Wer hat’s erfunden? Die Antwort kennt man ja.