Après-Ski einmal anders.

Über die verschneiten Berge: Der Après-Ski-Express von Andermatt bis nach Disentis

Weit weg von Ballermann und Schirmbar: Der versierte Genuss-Skifahrer genießt seinen Drink im Après-Ski-Express von Andermatt bis nach Disentis. Denn: Après-Ski gehört zum Skiurlaub wie der Skischuh in die Bindung. Im Skigebiet Andermatt+Sedrun+Disentis spielt allerdings ein anderes Niveau die Musik. Statt Schlager gibt es in den beiden auffällig bemalten Panoramawagen des Glacier Express jeden Samstag DJ-Musik mit Hits aus den 70-ern und 80-ern. Statt Bier in Plastikbechern einen Kafi Luz oder gerührten Martini. Dafür sorgt Victor Costa, ein gebürtiger Portugiese, der den Atlantik gegen die Berge zwischen Andermatt und Disentis eingewechselt hat. Und das Surfbrett gegen die Bar im Après-Ski-Express.

Bergauf, bergab.

Der Après-Ski-Express fährt zweimal am Tag in ein bisschen mehr als einer Stunde von Andermatt über den 2.033 Meter hohen Oberalppass bis nach Disentis – 6000 Höhenmeter überwindet der Zug dabei jeden Tag. Mit dabei: Trockenfleisch, Lachs, Käse und Oliven. Immerhin sollte beim Après-Ski auch der Gaumen nicht zu kurz kommen. In den zwei Panoramawägen ist dabei socializing angesagt. Am Vormittag dominieren Gespräche über die prachtvollen 3000-er vor den Panoramafenstern, am Nachmittag werden die Erlebnisse im Skigebiet Andermatt+Sedrun+Distentis ausgetauscht. Immer für ein Scherzchen aufgelegt: Victor Costa, der Barkeeper. Er ist es auch, der den besten Kafi Luz zwischen hier und Zürich zubereitet. Was das ist? Eine Kaffeespezialität aus der Innerschweiz, die vor allem im Winter gerne getrunken wird. Der Name ist dabei eine Abkürzung in Schweizerdeutsch für Luzerner Kaffee, auch „Kafi fertig“ oder „Cheli“ genannt. Das dampfende Getränk besteht aus einer Tasse dünnem Kaffee mit Träsch, einem aus Äpfel und Birnen gebrannten Schnaps. Der Kaffee soll, so will es das Rezept, so durchsichtig sein wie Tee, so dass man durch ihn hindurch noch die Zeitung lesen kann.

Exkurs: Der Kafi Luz entstand im 18. Jahrhundert, als in der Innerschweiz der Konsum von Branntwein pro Kopf und Jahr bei 13 Litern lag. Für die Bauern und Heimarbeiter begann der Tag schon mit einem Schnaps zum „Vorfrühstück“. Er sollte helfen, die schweren Käsespeisen zu verdauen. Als die Behörden Trink- und Brennverbote verhängten und diese durch Schnapspolizisten kontrollieren ließen, tarnten die Leute ihren Schnaps mit Kaffee.

Über die sieben Berge.

Am Vormittag startet der Glacier Express mit den beiden Après-Ski-Wägen in Andermatt und windet sich über weite Kehren auf den Oberalppass, von dort geht es über die Berge hinab nach Sedrun und Disentis. Mit einem gültigen Skiticket ist die Mitfahrt kostenlos, man kann an jeder Haltestation einsteigen. Müde Skifahrerbeine können sich auf bequemen Sitzplätzen ausruhen, Fans der Apéro-Kultur begeben sich schnurstracks in den Lounge-Bereich. Egal ob sitzend oder stehend: Nicht vergessen, aus dem Fenster zu schauen. So hochalpin und eindrucksvoll ist man mit oder ohne Kafi Luz noch nie Bahn gefahren.